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1996, Atlanta

Der große Wurf des Lars Riedel.
Seinen größten Triumph konnte Riedel bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta feiern, als er mit einer Weite von 69,40 m die Konkurrenz weit hinter sich ließ und die Goldmedaille gewann.

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Atlanta Goldmedaille

69,40 m, Gold!

Olympischer Rekord

Lars warf im 5. Versuch sagenhafte 69,40 Meter und stellte damit den ersten Olympischen Rekord seiner Karriere auf. Seinen Rekord warf Lars mit 71,50 Meter in Wiesbaden (1997).

Gold für Deutschland

Mit seinem Goldwurf steuerte Lars eine von 20 Goldmedaillen bei. Deutschland landete am Ende auf dem 3. Platz mit 65 Gesamtmedaillen (20 Gold, 18 Silber, 27 Bronze).

Atlanta Startnummer

Nummern für die Ewigkeit

19.07.1996 - 04.08.1996

10318 Athleten aus 197 Nationen nahmen an den Spielen teil und kämpfen bei 26 Sportarten um insgesamt 842 Medaillen. 118 Nationen gingen ohne Medaille nach Hause.

31. Juli 1996


1. Wurf: Ungültig
2. Wurf: Ungültig

Mein Offizieller scheint ungeduldig zu werden. War ich ihm zu lange in der Toilette? Auf dem Weg zurück ins Stadion wird er noch ungeduldiger, denn ich bleibe stehen und übe einige Diskusdrehungen. Ein zufällig vorbeigehender Beobachter hätte sicherlich den Kopf geschüttelt: Da dreht sich einer und ein Kampfrichter schaut zu. Dabei ist der Wettkampf doch draußen im Stadion. Wieder zurück, jeder Schritt bringt mich näher zum Kreis und zu meinem auf mich wartenden, zweiten Ich. Wenig später werde ich aufgerufen, mein dritter und entscheidender Versuch. Noch einmal die Schuhe kontrolliert, ob sie auch richtig sitzen, mit einem Lappen über den Diskus gewischt, denn es herrscht hohe Luftfeuchtigkeit. Und auch die Stelle im Kreis, auf der ich mich drehe, behandelt und trocken gerieben, weil die Feuchtigkeit den Beton teilweise hat glitschig werden lassen. Nur noch ein Gedanke: Drehe dich wie in den Katakomben, lass den Arm weit hinten und klemm ihn ein. Reduziere alles auf das Einfache. Mache es wie im Training. Du hast es tausendmal gekonnt, es ist automatisiert, rufe es einfach ab.

Ich fühle die Blicke meiner Gegner, als ich den Kreis betrete. Untergang oder Wiederaufstieg? Meine Körperspannung meldet sich, ein gutes Zeichen. Trotzdem scheine ich immer noch einen Zentner mehr als sonst mit mir herumzuschleppen.

Am hinteren Kreisende aufgebaut, mit dem linken Fuß die Griffigkeit des Betons getestet, tief eingeatmet, Kopf hoch, kontrolliert den Oberkörper und den Arm nach hinten gedreht und eingeklemmt, Abstoß mit dem linken Fuß, gelandet auf dem rechten, Arm immer noch hinten, mit dem vorderen Bein gestemmt und den Wurfarm durchgezogen, verhalten, aber zumindest durchgezogen. Gültig! Der Wurf ist gültig und die Scheibe segelt auf 65,40 Meter. Das wäre später nach dem entscheidenden Wettkampf bereits der undankbare vierte Platz gewesen. Ich werde leichter, meine Schritte elastischer, scheine zu wachsen, denn ich habe den Endkampf erreicht. Ein schneller Blick zu meinen Konkurrenten, nun sind plötzlich sie schwerer geworden. Jeder von ihnen weiß, was das bedeutet. Unter einer solch extremen, physischen und psychischen Spannung im letzten Versuch des Vorkampfes eine solche Leistung zu bringen, nötigt Respekt ab.

3. Wurf: 65,40 m

Der selbstsichere Lars aus den Katakomben hat sich wieder mit dem zögerlichen im Stadion vereint und ihm das Zögerliche genommen. Was dann folgt, erscheint mir als logische Konsequenz. Erster Wurf von drei Versuchen im Endkampf nur 63,10 Meter, ich wollte zu viel. Also die Erwartungen etwas zurückschrauben, ruhiger beginnen, konzentriert und zugleich kontrolliert bleiben. Mit zunehmender Dauer des Wettkampfes werde ich bei den extremen Temperaturen immer sicherer, während meine Konkurrenten unter der Hitze leiden und hinzuschmelzen drohen.



4. Wurf: 63,10 m
5. Wurf: 69,40 m

Im fünften Versuch 69,40 Meter, olympischer Rekord, das bedeutet die Führung und reicht zum Olympiasieg. Die Freude platzt aus mir heraus, mein Trainer vollführt Tänze auf der Tribüne, die Anspannung löst sich. Ich ziehe mich zurück, will ganz für mich sein und bedecke meinen Kopf mit einer Trainingsjacke.

  • Lars Riedel jubelt
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